Das letzte halbe Jahr   -   1

 Den zweiten Teil meines Praktikums habe ich bei Hermann Gräfe gearbeitet. Hier lag der Schwerpunkt vorallem auf der Fertigung von Kleinserien. Schon bevor ich mein Praktikum begann stand fest, dass ich fünf annähernd gleiche E-Gitarren herstellen sollte. Durch diesen Umstand musste ich mich viel mit Vorrichtungen und Schablonen befassen, die ein schnelles und genaues Arbeiten mit Maschinen ermöglichen. Da die Maschinen nun einmal eingestellt waren, wurde die Serie gleich um ein weiteres Instrument bereichert.
Für Johannes Tappert, einen befreundeten Musiklehrer, durfte ich zudem die Restauration einer alten Gitarre übernehmen. Dieses Instrument befindet sich schon seit längerer Zeit bei Hermann in der Werkstatt. Eigentlich wollte Johannes Tappert die Restauration selbst vornehmen und hatte auch schon damit begonnen, jedoch hinderte ihn die wurmzerfressene Zarge am weiterarbeiten. In Absprache mit Hermann durfte ich diese Arbeit dann während meines Praktikums erledigen. Spielfertig konnte ich die Gitarre durch fehlende Teile allerdings nicht machen, jedoch habe ich einen Großteil der problematischen Arbeiten erledigen können und Johannes wird die Restauration nun selbst vollenden.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Werkstatt von Hermann Gräfe sind ein- oder zweiwöchige Gitarrenbaukurse. In meiner Praktikumszeit durfte ich bei vier Kursen mithelfen, mitdiskutieren und meine Arbeitsweisen einbringen, die sich von denen Hermanns doch in einigen Punkten unterscheiden. Ich fand es sehr interessant zu sehen, wie in so kurzer Zeit ein neues Instrument entsteht und mit welcher Hingabe sich die Teilnehmer in den Bau ihres eigenen Instrumentes vertiefen.
Vielleicht gibt es in diese Richtung demnächst auch von mir etwas zu hören.

 

Wie einige von euch bereits wissen habe ich mir seit Februar die Zeit mit Praktika vertrieben. 20 Wochen muss ich für meinen Studienabschluss nächstes Jahr vorweisen können und genauso viele habe ich auch bei zwei verschiedenen Meistern absolviert.

 

Die ersten sieben Wochen durfte ich bei Thomas Ochs in Kemmern bei Bamberg verbringen. Bei ihm erfuhr ich viel über die Kasha-Bauweise - eine klangoptimierte Bauart für akustische Gitarren - und über den Bau von doppelten Decken (Double-Top), welche zur Zeit immer mehr Verwendung finden. Auch habe ich mich zusammen mit Thomas im "Relicing" versucht, so wurde als Kundenauftrag aus einer nagelneuen Strat, mittels einiger Überlegungen, Diskussionen und gezielter Zerstörung, eine jahrzehnte alte, abgerockte Gitarre. Neben diesen größeren Projekten konnte ich zahlreiche kleine Reparaturen und Einstellarbeiten übernehmen.

 


Ihr seht also: Ich habe das letzte halbe Jahr sehr viel neues lernen und altes wieder und wieder üben dürfen. Auch habe ich einen Einblick in etablierte Unternehmen erhalten, der mir in meiner eigenen Werkstatt als Vorbild dienen wird. Und natürlich war ich auch hier in Leipzig nicht ganz untätig, aber dazu später mehr.

 

Felix